OEE berechnen: Formel, Rechenbeispiel und woher die Daten wirklich kommen
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- Abbas Mohammadi
Die OEE (Overall Equipment Effectiveness, Gesamtanlageneffektivität) berechnen Sie als Produkt aus Verfügbarkeitsgrad, Leistungsgrad und Qualitätsrate – alle drei bezogen auf denselben Zeitraum und dieselbe Maschine. Das Ergebnis sagt, welcher Anteil der geplanten Betriebszeit tatsächlich in Gutteile bei Soll-Geschwindigkeit geflossen ist. Die Formel ist in fünf Minuten erklärt; ob die Zahl etwas taugt, entscheidet sich beim Zeitmodell und bei der Herkunft der Rohdaten.
Was ist die OEE – und was sagt sie nicht aus?
Die Gesamtanlageneffektivität misst, wie viel von der geplanten Betriebszeit einer Maschine in Gutteile bei Soll-Geschwindigkeit umgesetzt wurde, und ordnet den Rest drei Verlustarten zu: Stillstand, verringerte Geschwindigkeit und Ausschuss. Das Konzept stammt aus dem TPM-Umfeld (Total Productive Maintenance); MPDV führt es in seinem Glossar auf Seiichi Nakajimas TPM-Buch von 1988 zurück. Im deutschsprachigen Raum hat das VDMA-Einheitsblatt 66412-1 die OEE zusammen mit weiteren MES-Kennzahlen vereinheitlicht; es trägt das Ausgabedatum 2009-10 und wurde 2010-05 durch die Änderung A1 ergänzt. Die internationale Norm ISO 22400-2 entstand auf Basis des deutschen Normungsvorschlags.
Wichtig ist, was die OEE nicht ist. Sie vergleicht eine Maschine mit ihrer eigenen Planung: mit der vorgesehenen Produktionszeit und der hinterlegten Soll-Taktzeit. Sie sagt nichts darüber, ob die Maschine überhaupt hätte laufen sollen, ob der Auftrag wirtschaftlich war oder wie der Wettbewerb dasteht. Eine Anlage, die nur für eine Schicht am Tag eingeplant ist, kann eine hohe OEE haben und trotzdem zwei Drittel des Tages stillstehen.
Deshalb ist die OEE auch keine Auslastung. Die Auslastung beantwortet eine Kapazitätsfrage (genutzte Zeit zu verfügbarer Kalender- oder Belegungszeit), die Produktivität eine Kostenfrage (Output zu Einsatz an Personal, Material, Energie). Die OEE beantwortet eine Verlustfrage: Wo geht innerhalb der geplanten Zeit Leistung verloren – und in welcher der drei Kategorien.
Die OEE-Formel: Verfügbarkeit, Leistung, Qualität
Die OEE-Formel besteht aus drei Quotienten, die alle auf denselben Zeitraum bezogen sein müssen – eine Schicht, einen Tag oder einen Auftrag. Verfügbarkeit misst Zeit, Leistung misst Geschwindigkeit, Qualität misst Stück. Weil jeder Faktor auf dem vorigen aufsetzt, wird kein Verlust doppelt gezählt: Was als Stillstand verbucht ist, taucht nicht zusätzlich als Geschwindigkeitsverlust auf.
OEE = Verfügbarkeitsgrad × Leistungsgrad × Qualitätsrate
- Verfügbarkeitsgrad
- Ist-Laufzeit ÷ geplante Betriebszeit (Zeit ÷ Zeit)
- Leistungsgrad
- Ist-Menge ÷ Soll-Menge, mit Soll-Menge = Ist-Laufzeit ÷ Soll-Taktzeit
- Qualitätsrate
- Gutmenge ÷ Gesamtmenge (Stück ÷ Stück)
| Faktor | Formel | Eingangsgrößen | Typische Stolperfalle |
|---|---|---|---|
| Verfügbarkeitsgrad | Ist-Laufzeit ÷ geplante Betriebszeit | Minuten | Rüsten und geplante Wartung sind je nach Zeitmodell drin oder draußen |
| Leistungsgrad | (Ist-Menge × Soll-Taktzeit) ÷ Ist-Laufzeit | Stück, Sekunden je Stück, Minuten | Soll-Taktzeit aus der Kalkulation statt aus dem Prozess; Werte über 100 % |
| Qualitätsrate | Gutmenge ÷ Gesamtmenge | Stück | Nacharbeit und später entdeckter Ausschuss fehlen |
| Kontrollrechnung | (Gutmenge × Soll-Taktzeit) ÷ geplante Betriebszeit | Stück, Sekunden je Stück, Minuten | Deckt Inkonsistenzen zwischen den drei Faktoren auf |
Die Kontrollrechnung in der letzten Zeile ist der schnellste Plausibilitätstest. Wenn die drei Faktoren sauber auf denselben Zeitraum bezogen sind, kürzen sich Ist-Laufzeit und Gesamtmenge heraus, und es bleibt: Gutmenge mal Soll-Taktzeit, geteilt durch geplante Betriebszeit. Liefert diese Kurzform einen anderen Wert als das Produkt der drei Faktoren, wurde irgendwo mit einer anderen Zeitbasis oder einer anderen Menge gerechnet – meist Stückzahl aus dem ERP, Laufzeit aus der Steuerung, für leicht verschiedene Zeitfenster.
Ein Leistungsgrad über 100 % ist kein Erfolg, sondern ein Symptom. Die Soll-Taktzeit sollte die technisch erreichbare Bestzeit der Maschine für dieses Produkt sein – nicht der Wert aus der Angebotskalkulation mit Sicherheitszuschlägen und nicht der Durchschnitt der letzten Monate, der bereits Verluste einpreist. Eine zu großzügige Soll-Taktzeit rechnet Geschwindigkeitsverluste systematisch weg.
Rechenbeispiel: OEE berechnen für eine Schicht, Minute für Minute
Das folgende Rechenbeispiel ist fiktiv; die Zahlen sind so gewählt, dass alle typischen Verlustarten vorkommen. Angenommen wird eine Frühschicht von 480 Minuten an einer Einzelmaschine mit einer Soll-Taktzeit von 12 Sekunden je Stück. Zeitmodell A behandelt Pausen und geplante Wartung als geplante Nichtproduktion, Rüsten als Verfügbarkeitsverlust.
| Position | Minuten | Einordnung im Zeitmodell A |
|---|---|---|
| Schichtzeit | 480 | Belegungszeit |
| Pausen (2 × 15 min) | − 30 | Geplant, nicht Teil der geplanten Betriebszeit |
| Geplante Wartung und Reinigung | − 20 | Geplant, nicht Teil der geplanten Betriebszeit |
| = Geplante Betriebszeit | 430 | Bezugsgröße für den Verfügbarkeitsgrad |
| Rüsten / Produktwechsel | − 35 | Verfügbarkeitsverlust |
| Störungen (2 Ereignisse) | − 25 | Verfügbarkeitsverlust |
| Kurzstopps oberhalb der Erfassungsschwelle | − 10 | Verfügbarkeitsverlust |
| = Ist-Laufzeit | 360 | Bezugsgröße für den Leistungsgrad |
| Faktor | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Verfügbarkeitsgrad | 360 min ÷ 430 min | 83,7 % |
| Soll-Menge | 360 min × 60 s ÷ 12 s/Stück | 1.800 Stück |
| Leistungsgrad | 1.566 Stück (Ist) ÷ 1.800 Stück (Soll) | 87,0 % |
| Qualitätsrate | 1.519 Gutteile ÷ 1.566 Stück (47 Stück Ausschuss) | 97,0 % |
| OEE | 0,837 × 0,870 × 0,970 | 70,7 % |
| Kontrollrechnung | 1.519 × 12 s ÷ (430 min × 60 s) | 70,7 % |
Die Verlustrechnung macht das Ergebnis greifbar. Von 430 geplanten Minuten sind rund 304 Minuten in Gutteile bei Soll-Takt geflossen. 70 Minuten gingen als Stillstand verloren, rund 47 Minuten als Geschwindigkeitsverlust (360 Minuten minus 1.566 × 12 Sekunden) und rund 9 Minuten als Ausschuss (47 × 12 Sekunden). Der größte Block ist der Stillstand – und darin das Rüsten, nicht die Störung.
Variante B: dieselbe Schicht, anderes Zeitmodell
Jetzt rechnet der Betrieb Rüsten als geplante Tätigkeit und nimmt die 35 Minuten aus der geplanten Betriebszeit heraus – verbreitet, wenn Rüstzeiten im Arbeitsplan stehen. Die geplante Betriebszeit sinkt auf 395 Minuten, die Ist-Laufzeit bleibt bei 360 Minuten. Verfügbarkeitsgrad 360 ÷ 395 = 91,1 %, Leistung und Qualität unverändert, OEE = 0,911 × 0,870 × 0,970 = 76,9 %. Dieselbe Schicht, dieselben 1.519 Gutteile, 6,2 Prozentpunkte mehr OEE. Keine der beiden Zahlen ist falsch – aber nur Variante A macht den Rüstverlust sichtbar, und ein Vergleich der beiden Werte ist sinnlos.
Zeitmodell: Was zählt als geplante Betriebszeit?
Als geplante Betriebszeit zählt die Zeit, in der die Maschine nach Plan produzieren soll – also Schichtzeit abzüglich der Zeiten, in denen Produktion ausdrücklich nicht vorgesehen ist. Was genau abgezogen wird, ist keine Naturkonstante, sondern eine betriebliche Festlegung. Genau deshalb bekommen zwei Abteilungen, die ohne schriftliche Definition die OEE berechnen, zwei verschiedene Werte für dieselbe Maschine – und beide können ihre Zahl begründen.
- Kalenderzeit
- 24 Stunden an 365 Tagen. Bezugsgröße der TEEP, nicht der OEE.
- Belegungszeit (Schichtzeit)
- Zeit, in der die Maschine mit Personal besetzt oder einem Auftrag zugeordnet ist. Die VDI 3423 arbeitet mit Belegungs- und Nutzungszeiten als Grundbegriffen.
- Geplante Betriebszeit
- Belegungszeit abzüglich geplanter Nichtproduktion: Pausen ohne Maschinenlauf, geplante Instandhaltung, Schichtende ohne Auftrag. Bezugsgröße der OEE.
- Ist-Laufzeit
- Geplante Betriebszeit abzüglich aller erfassten Stillstände – Rüsten, Störungen, Materialmangel, Kurzstopps oberhalb der Schwelle. Bezugsgröße des Leistungsgrads.
- Wertschöpfende Zeit
- Ist-Laufzeit abzüglich Geschwindigkeits- und Qualitätsverlusten; entspricht Gutmenge × Soll-Taktzeit.
Fünf Punkte muss die schriftliche Definition mindestens klären:
- Pausen: Läuft die Maschine in der Pause durch (Pausenüberbrückung), gehört die Pause zur geplanten Betriebszeit; steht sie, gehört sie nicht dazu.
- Rüsten: Als Verfügbarkeitsverlust (Variante A) oder als geplante Zeit (Variante B). Empfehlenswert ist A, weil Rüstoptimierung sonst in keiner Kennzahl auftaucht.
- Geplante Instandhaltung: Außerhalb der geplanten Betriebszeit – aber nur, wenn sie wirklich geplant war. Eine Wartung, die am Vortag angesetzt wird, weil die Spindel Geräusche macht, ist eine Störung mit Vorlauf.
- Kurzstopp-Schwelle: Ab welcher Dauer ein Stopp als Stillstand mit Grund erfasst wird; alles darunter landet automatisch im Leistungsgrad.
- Auftragsmangel: Vor Schichtbeginn bekannt ist er geplante Nichtproduktion; taucht er erst mittags auf, ist er ein Stillstand mit dem Grund „kein Auftrag“. Beides getrennt ausweisen.
Woher kommen Laufzeit, Stückzahl und Ausschuss technisch?
Laufzeit, Stückzahl und Ausschuss kommen aus drei Quellen mit drei Zeitstempeln – die Hauptursache dafür, dass OEE-Werte im Betrieb angezweifelt werden. Die Laufzeit liefert die Steuerung, die Stückzahl ein Zähler oder ein Bediener, den Ausschuss die Qualitätsprüfung, oft Stunden später.
| Datenquelle | Ableitbarer Faktor | Nötige zeitliche Auflösung | Typische Verzerrung |
|---|---|---|---|
| Betriebsartensignal der SPS (Automatik, Hand, Störung) | Verfügbarkeit; Stillstandsgründe grob | Ereignisbasiert oder Abtastung im Sekundenbereich | „Automatik“ heißt nicht „produziert“: Automatikbetrieb ohne Teil zählt als Laufzeit |
| Stückzähler in der SPS (Zählerbaustein, Taktimpuls) | Leistung (Ist-Menge); mit Zeitstempel auch Kurzstopps | Jeder Takt; Überlauf und Reset beim Schichtwechsel abfangen | Zählt Hübe, nicht Teile: Leerhübe, Doppelteile, Musterteile |
| OPC-UA-Nodes (Zähler, Zustand, Störcode) | Alle drei, wenn Gut- und Schlechtteile getrennt gezählt werden | Subscription mit Sampling-Intervall unterhalb der Taktzeit | Der Adressraum enthält, was der Maschinenbauer freigegeben hat |
| Digitale Ausgänge, Signalleuchte (grün, gelb, rot) | Verfügbarkeit, grob | Sekundenbereich | Kein Stillstandsgrund, keine Trennung geplant/ungeplant |
| Leistungsaufnahme (Stromwandler, Energiezähler) | Verfügbarkeit als Hilfsindikator; Leerlauf erkennbar | Sekunden- bis Minutenmittelwerte | Schwelle für „produziert“ muss je Maschine und Produkt kalibriert werden |
| Bedienereingabe am Terminal (Grund, Ausschuss, Menge) | Qualität, Stillstandsgründe; Rückfallebene für die Menge | Ereignisbezogen; Nacherfassung am Schichtende vermeiden | Erinnerung statt Messung: Rundung, Sammelbuchungen, sozial erwünschte Gründe |
| Qualitätsprüfung, Endkontrolle | Qualität (Gutmenge) | Je Los oder Auftrag | Zeitversatz: Ausschuss taucht in einer anderen Schicht auf als seine Ursache |
Für den Leistungsgrad braucht der Zähler einen Zeitbezug. Ein Zählerstand am Schichtende reicht für eine Schicht-OEE, verrät aber nicht, ob die Maschine acht Stunden zu langsam lief oder eine Stunde stand. Erst Zählerstände mit Zeitstempel – etwa im Minutenraster – machen Kurzstopps unterhalb der Erfassungsschwelle als Lücken im Zählverlauf sichtbar. Wie Sie Zähler, Betriebsart und Störcode aus einer Siemens-Steuerung herausbekommen, beschreibt S7-Daten auslesen: OPC-UA-Server, Snap7 und optimierte Datenbausteine.
Maschinendatenerfassung (MDE) liefert Laufzeit und Stückzahl automatisch aus der Steuerung; Betriebsdatenerfassung (BDE) liefert Auftrag, Personal und Stillstandsgrund vom Menschen. Eine belastbare OEE braucht beides, aber in einer bestimmten Reihenfolge – welche das ist und warum die automatische Quelle zuerst kommen sollte, steht in BDE oder MDE: Unterschied, Datenquellen und die richtige Reihenfolge.
Für Bestandsmaschinen ohne Schnittstelle bleibt die Kennzahl erreichbar. Das Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz beschreibt in seinen Retrofit-Grundlagen, dass sich über Protokolle wie MQTT oder OPC UA der aktuelle Betriebszustand an übergeordnete Systeme weitergeben lässt und damit Kennzahlen wie die OEE berechenbar werden. Die Nachrüstwege vergleicht Maschinendaten nachrüsten: vier Wege für Anlagen ohne Schnittstelle.
OEE, TEEP und Varianten: welche Bezugszeit welche Frage beantwortet
OEE und TEEP unterscheiden sich nur im Nenner. Die OEE bezieht sich auf die geplante Betriebszeit, die TEEP (Total Effective Equipment Performance) auf die Kalenderzeit. Nach der verbreiteten Definition, wie sie etwa Vorne Industries auf oee.com dokumentiert, gilt TEEP = OEE × Nutzungsgrad, wobei der Nutzungsgrad die geplante Betriebszeit ins Verhältnis zur Gesamtzeit von 24 Stunden an 7 Tagen setzt. Eine Maschine mit 70 % OEE in zwei Schichten an fünf Tagen hat damit eine TEEP von rund 33 % – die Zahl, die vor einer Investition in eine zweite Maschine auf den Tisch gehört.
| Kennzahl | Bezugszeit | Beantwortete Frage | Typischer Adressat |
|---|---|---|---|
| OEE | Geplante Betriebszeit | Wie viel der eingeplanten Zeit ging als Stillstand, Geschwindigkeit oder Ausschuss verloren? | Produktionsleitung, Schichtführung, Instandhaltung |
| TEEP | Kalenderzeit (24/7) | Welche Kapazität steckt noch in der vorhandenen Anlage, bevor investiert wird? | Geschäftsleitung, Investitionsplanung |
| Technische Verfügbarkeit nach VDI 3423 | Belegungs- und Nutzungszeit nach Richtlinie | Hält die Maschine, was der Lieferant zugesagt hat? | Einkauf, Lieferant, Abnahme |
Für Zwischenstufen kursieren Bezeichnungen wie OEE1, OEE2, NEE oder Netto-Gesamtanlageneffektivität (NGE); das VDMA-Einheitsblatt 66412-1 führt neben der OEE eine NGE. MES-Anbieter verwenden die Nummerierung jedoch nicht einheitlich. Verlassen Sie sich deshalb nie auf den Namen, sondern fragen Sie nach dem Nenner – Variante B aus dem Rechenbeispiel ist genau so eine „zweite OEE“.
Typische Messfehler, die die OEE unglaubwürdig machen
Die OEE wird selten unglaubwürdig, weil die Formel falsch angewendet wird, sondern weil die Eingangsdaten systematisch verzerrt sind – und die Schichtführung merkt das vor der Auswertung. Sechs Muster kommen in fast jedem Betrieb vor.
- Kurzstopps unterhalb der Erfassungsschwelle. Im Rechenbeispiel verschwinden die 10 Minuten Kurzstopps bei einer höheren Schwelle aus der Verfügbarkeit (86,0 % statt 83,7 %) und tauchen im Leistungsgrad wieder auf (84,6 % statt 87,0 %). Die OEE bleibt bei 70,7 % – aber die Instandhaltung sucht am falschen Ort.
- Nacherfassung am Schichtende. Stillstandsgründe aus der Erinnerung werden gerundet, gebündelt und beschönigt. Erkennbar an Stillständen, die auffällig oft exakt eine Viertel- oder halbe Stunde dauern, und an einem großen Posten „Sonstiges“.
- Mehrmaschinenbedienung. Ein Bediener an drei Maschinen erzeugt Wartezeiten, die maschinenseitig als Störung erscheinen. Ohne eigenen Stillstandsgrund „Bediener nicht verfügbar“ wandert der Verlust in die Instandhaltungsstatistik.
- Soll-Taktzeit aus der Angebotskalkulation. Sie enthält Zuschläge und ist zu langsam; Leistungsgrade über 100 % sind das Symptom.
- Ausschuss aus der Endprüfung. Teile, die erst Stunden später aussortiert werden, fehlen in der Schicht-OEE oder belasten die falsche Schicht. Für die Schichtkennzahl zählt der an der Maschine erkannte Ausschuss; nachgelagerter Ausschuss gehört in eine Auftrags-OEE.
- Nicht synchronisierte Zeitstempel. Laufen die Uhren von SPS, MDE-Terminal und ERP auseinander, landen Auftragswechsel und Stillstände in unterschiedlichen Zeitfenstern. Zeitsynchronisation über NTP auf allen Erfassungsgeräten ist Voraussetzung, nicht Feinschliff.
Checkliste: einen OEE-Wert plausibilisieren
- Die Kontrollrechnung Gutmenge × Soll-Taktzeit ÷ geplante Betriebszeit stimmt mit dem Produkt der drei Faktoren überein.
- Kein Faktor liegt über 100 %; ein Leistungsgrad über 100 % wurde über die Soll-Taktzeit geklärt.
- Ist-Laufzeit plus alle erfassten Stillstände ergibt exakt die geplante Betriebszeit.
- Zählerstand am Schichtende minus Zählerstand am Schichtbeginn entspricht der gebuchten Gesamtmenge.
- Der Anteil „Sonstiges“ an den Stillstandsgründen ist bekannt und wird offen ausgewiesen.
- Kurzstopp-Schwelle, Rüstregel und Pausenregel sind schriftlich dokumentiert und in MDE, Excel und Schichtbuch identisch umgesetzt.
- Ausschuss ist nach Erkennungsort getrennt: an der Maschine oder in der Endprüfung.
- Mindestens eine Schicht wurde manuell mitgestoppt und mit der Systemzahl verglichen.
Benchmarks richtig einordnen
Ein OEE-Wert ohne Angabe des Zeitmodells ist nicht vergleichbar – weder zwischen zwei Betrieben noch zwischen zwei Linien desselben Werks. Das Rechenbeispiel zeigt die Spanne: 70,7 % oder 76,9 % für dieselbe Schicht. Benchmarks sind deshalb Orientierung mit Urheber, keine Zielvorgabe.
Als Fremdaussage: Der MES-Anbieter MPDV schreibt in seinem Smart-Factory-Glossar, dass viele Fertigungsstandorte einen Wert von rund 60 % erreichen, dass eine OEE von 80 % oder mehr in der diskreten Fertigung als sehr guter Wert gilt und dass 85 % einen Spitzenwert darstellen. MPDV nennt dazu weder Stichprobe noch Zeitmodell; die Zahlen sind Erfahrungswerte eines Anbieters, keine Messreihe, und auf Prozessindustrie oder rüstintensive Einzelfertigung nicht ohne Weiteres übertragbar.
Nützlicher als der Fremdvergleich ist der Eigenvergleich: dieselbe Maschine, dasselbe Zeitmodell, Woche für Woche, mit der Verteilung der Verluste auf die drei Faktoren. Und wenn sich eine Zahl sprunghaft verbessert, lautet die erste Frage nicht „was haben wir besser gemacht“, sondern „hat jemand das Zeitmodell geändert“.
OEE-Rechner: Ihre Schicht im Browser durchrechnen
Der folgende OEE-Rechner ist mit den Werten des Rechenbeispiels vorbelegt und zeigt deshalb beim Öffnen die 70,7 % aus Zeitmodell A. Ersetzen Sie die fünf Felder durch Ihre eigene Schicht – geplante Betriebszeit, Stillstandszeit, Soll-Taktzeit, Gesamtmenge und Ausschuss –, und die drei Faktoren, die Verlustverteilung und das Ergebnis rechnen sich neu. Die Eingaben bleiben im Browser; es gibt keine Registrierung und keine Übertragung.
- Verfügbarkeit
- 83,7 %
- Leistung
- 87,0 %
- Qualität
- 97,0 %
Zeitverluste der Betriebszeit
- Stillstand
- 70 min
- Leistungsverlust
- 47 min
- Qualitätsverlust
- 9 min
- Wertschöpfende Zeit
- 304 min
Rechenbeispiel nach dem Zeitmodell des Artikels (Betriebszeit-basiert, VDI 3423). Ihre Eingaben bleiben im Browser.
Ein Leistungsgrad, den der Rechner auf 100 % begrenzt, ist ein Hinweis auf die Soll-Taktzeit: Liegt die Ist-Ausbringung darüber, ist der hinterlegte Takt zu langsam gepflegt, nicht die Maschine zu schnell.
OEE berechnen in Excel: so bauen Sie das Tabellenblatt auf
Der Rechner oben führt genau diese sechs Formeln aus. Wer die Rechnung dauerhaft dokumentieren oder mehrere Schichten nebeneinanderlegen will, überträgt sie in ein Tabellenblatt: sechs Eingabefelder, sechs Formeln, Bezeichnungen in Spalte A, Eingaben und Formeln in Spalte B.
A1 Schichtzeit (min) B1 480
A2 Geplante Nichtproduktion (min) B2 50 (Pausen + geplante Wartung)
A3 Stillstände gesamt (min) B3 70 (Rüsten + Störungen + erfasste Kurzstopps)
A4 Soll-Taktzeit (s/Stück) B4 12
A5 Gesamtmenge (Stück) B5 1566
A6 Ausschuss (Stück) B6 47
A8 Geplante Betriebszeit (min) B8 =B1-B2
A9 Ist-Laufzeit (min) B9 =B8-B3
A10 Verfügbarkeitsgrad B10 =B9/B8
A11 Leistungsgrad B11 =B5*B4/(B9*60)
A12 Qualitätsrate B12 =(B5-B6)/B5
A13 OEE B13 =B10*B11*B12
A14 Kontrollrechnung B14 =(B5-B6)*B4/(B8*60)Für mehrere Schichten legen Sie je Schicht eine Zeile an und rechnen die Wochen-OEE aus Summen, nicht aus Mittelwerten: summierte Ist-Laufzeit durch summierte geplante Betriebszeit, entsprechend für Mengen. Der Durchschnitt der Schicht-OEEs ist falsch, sobald Schichten unterschiedlich lang geplant waren – eine kurze Samstagsschicht würde sonst genauso schwer wiegen wie eine volle Frühschicht.
Fazit: Erst das Zeitmodell, dann die Formel, dann die Automatisierung
OEE berechnen heißt drei Quotienten multiplizieren; das Ergebnis ist nur so belastbar wie das Zeitmodell dahinter und die Quelle jeder Eingangsgröße. Legen Sie zuerst schriftlich fest, was geplante Betriebszeit ist, wie Rüsten behandelt wird, welche Kurzstopp-Schwelle gilt und wo Ausschuss gezählt wird. Rechnen Sie dann ein bis zwei Wochen in Excel mit und prüfen Sie jede Schicht mit der Kontrollrechnung – erst danach lohnt sich die automatische Erfassung, weil Sie dann wissen, welche Signale Sie wirklich brauchen.
Wenn die Definition steht und die Rohdaten aus der Steuerung kommen, ist der nächste Schritt eine Darstellung, die Schichtführung und Instandhaltung täglich nutzen; wie ralwo Maschinendaten in solche Auswertungen überführt, beschreibt die Seite Datenvisualisierung.
Häufige Fragen
Quellen
- VDI 3423 – Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen – Begriffe, Definitionen, Zeiterfassung und Berechnung (2011-08) — VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.
- Overall Equipment Effectiveness / OEE – Smart Factory Glossary — MPDV Mikrolab GmbH
- Retrofit Grundlagen: Alte Maschinen digital nachrüsten — Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz
- VDMA 66412-1:2009-10 – Manufacturing Execution Systems (MES) Kennzahlen — DIN Media GmbH
- VDMA-Einheitsblatt 66412 — Wikipedia (deutschsprachige Ausgabe)
- Calculate TEEP: Increase Equipment Utilization — Vorne Industries (oee.com)